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Rezension: Sahneschnittchen: Schicke Schnitte zum Selbernähen für die Größen 46-56

Mein Rezensionsexemplar der Woche kommt diesmal mal wieder von Blogg dein Buch und gleichzeitig mit der Edition Michael Fischer von einem Verlag, der mir auch sonst bereits Rezensionslektüre zur Verfügung gestellt hat. Außerdem durfte ich Autorin Silke Türck beim Nähcamp in Berlin bereits persönlich kennenlernen und nach ihren Schnittmustern für Große und Kleine wurde hier auch schon genäht. Die "Sahneschnittchen: Schicke Schnitte zum Selbernähen für die Größen 46-56"* beziehen sich jedoch auf eine Kleidergröße, die ich bislang nicht im Kleiderschrank habe.

Abbildung Edition Fischer

Bei wenigen Themen wird so kontrovers diskutiert, wie bei Konfektionsgrößen, die sich außerhalb der - in jedem Land unterschiedlichen - Normbereiche bewegen. Das vor allem übermäßiger Bauchspeck (im Gegensatz zu anderen Speckpolstern, wie ich von der Schwägerin gelernt habe) genauso lebensverkürzend sein kann, wie Untergewicht, ist hinreichend bekannt. Kritisch kommentiert werden aber selten die Skinny-Jeans-Typen sondern eher die Plus-Size-Träger. Für die "starken Frauen" ein Nähbuch* herauszubringen, das diesen Selbernähern Schnittmuster an die Hand gibt, bei denen sie nicht erst durch Vergrößerungsexperimente auf ein tragbares Ergebnis kommen, ist mindestens ebenso genial, wie die Titelwahl.

Abbildung Edition Fischer
Das Buch stellt acht verschiedene Schnittmuster vor, mit denen man sich komplett einkleiden könnte. Eine Tunika, zwei Blusen, Rock und Hose, ein Kleid, eine Strickjacke sowie ein Mantel sind dabei, die jeweils in verschiedenen Varianten genäht werden können. Vor dem Projekteteil gibt die Autorin eine Einführung in das Nähen und - was mich besonders begeistert - eine Erläuterung zum Abändern von Schnittmustern. Hinweise zur Anpassung der verschiedenen Weiten von Taille, Hüfte oder Brust habe ich bislang in noch keinem meiner Nähbücher.

Abbildung Edition Fischer

Die Projekte haben jeweils schematische Zeichnungen für die verschiedenen Varianten, Stoffempfehlungen, Stoffverbrauch und einen Zuschneideplan. Die einzelnen Nähschritte werden als Fotoanleitung abgebildet und sind so auch für den Nähanfänger gut nachvollziehbar, wie ich selbst bereits an den Schnittchen-Anleitungen getestet habe.

Abbildung Edition Fischer

Bei einigen Modellen wie dem Kleid oder der Tunika überlege ich, ob ich mit ein paar mutigen Verkleinerungsnähten nicht vielleicht doch die Modelle für mich selbst nähen könnte. Andere - wie beispielsweise die Hose - treffen meinen Geschmack hingegen nicht. Wie mein Instagram-Account schon gezeigt hat, geht die Diskussion bei solchen Schnitten ganz schnell in die Richtung, ob Schnittmuster für große Größen nur dann gut sind, wenn sie die die Röllchen kaschieren und eben nicht betonen, was da ist.

Abbildung Edition Fischer

Sehr erhellend finde ich daher, dass Silke Türck am Ende ihrer 176 seitigen, broschierten Ausgabe fünf Plus-Size-Blogger selbst zu Wort kommen lässt. Bei den Bloggerinnen von Katastrophal, Lu zieht an, Beaute plantureuse, In fat style und Nimmersatt kann man gut nachvollziehen, dass dort eben kein verhüllender Kartoffelsacklook gefragt ist, sondern durchaus körper- und kurvenbetonende Kleidung.

Abbildung Edition Fischer
Alle diese Blogger gehören übrigens zu den Plus-Size-Fashion-Bloggern, was bedeutet, dass ihre Onlinetagebücher vor tragbaren Outfits förmlich überquellen. Leider zeigen die Kaufangaben, dass dabei (viel zu) oft zu Fast Fashion Anbietern gegriffen wird. Über den ökologischen und sozialen Hintergrund der Billigkleidung¹ und der Sinnhaftigkeit vollgestopfter Kleiderschränke scheint dabei wenig nachgedacht zu werden.

Vielleicht stehen die fünf Blogger ja nicht nur Modell für dieses Buch sondern nähen die Schnittmuster, die online als Download und auf einer CD, die sich auf der hinteren Umschlagsseite in einer witzigen Aufbewahrungstasche befindet, auch selbst. Wenn sich dabei die Erkenntnis einstellt, dass Kleidungsstücke zu so geringen Preisen, dass man sich problemlos pro Saison den kompletten Kleiderschrank neu zusammenstellen kann, eben nur unter katastrophalen  Produktionsbedingungen entstehen können, ist das Sahneschnittchen-Buch* noch viel mehr als seine 24,99 € Buchhandelspreis wert.

Vom EMF-Verlag wurde bereits vorgestellt:


¹ Oftmals bekommt man bei solchen Kritiken vorgeworfen, dass man doch sicherlich selbst bei den Großkonzernen einkaufen würde oder die Euronen im Überfluss hätte, um Ökokleidung kaufen zu können. Beides kann ich mittlerweile verneinen. Nach Jahren des bedenkenlosen - aber noch nie massenweisen - Klamottenkaufs gibt es mittlerweile nur noch Selbstgenähtes, Gebrauchtes via Mami- und Kleiderkreisel oder als Geschenk tatsächlich Bio-Kleidung. So bleibt es dann bei einem Kaufshirt pro Saison und das ist gut so. 

Kommentare

  1. Das Buch klingt toll, aber deine Auswahl der Rezensionsexemplare wundert mich manchmal. Übergrößenschnitte, obwohl du so eine Größe gar nicht trägst? Häkelbücher, obwohl du gar nicht häkelst? Da bist du eigentlich gar nicht die Zielgruppe.
    Das Thema Übergrößen & Fast Fashion überrascht mich auch, ist meine Erfahrung doch, dass man eben gerade im "normalen" Kleidungssektor (H&M, Pimkie etc.) kaum etwas in großen Größen findet und sich eher an höherpreisige Anbieter oder auch Ökoanbieter (Gudrun Sjöden, Deerberg etc.) halten muss. In den anderen Läden hört es ja tlw. bei Gr. 40 schon wieder auf.
    LG Regina

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    1. Das ich gar nicht häkel stimmt ja so nicht und an Nähbüchern, die bei Blogg dein Buch rar sind, komme ich nie vorbei. Diesmal haben sich aber noch nichtmal so viele beworben, wie Rezensionsexemplare da waren. Abgesehen davon, dass mich das Buch sehr interessiert, weil ich der Autorin bereits begegnet bin, nähe ich ja ohnehin relativ selten für mich - für die Familiengrößen nun Schnittmuster in dieser Qualität da zu haben, freut mich sehr ....

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