Jahresmotto

Jahresmotto
7. Blog-Geburtstag

DIY 2014

Wie im letzten Blogger-Jahr ende ich auch diesmal wieder mit einer DIY-Blogrückschau, zu der "Draußen nur Kännchen" auffordert. Das Best-of bleibt wieder meinem Bloggeburtstag im März vorbehalten und deshalb gibt es bei mir ein wirkliche Rückschau. Fast 100 DIY-Projekte waren es immerhin, die im blog neben den vielen Rezensionen,  dem Vierseithof und andere Themen gezeigt wurden.


Verlinkt beim Creadienstag und Draußen nur Kännchen
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Strumpfhosen nähen

Woran merkt man, dass Hobbynäher manchmal schon etwas speziell sind? Beispielweise daran, dass sie beginnen dem Sohnemann "Beinkleider" zu nähen. Vom Tochterkind gibt es nur noch eine sehr begrenzte Auswahl an Strumpfhosen, die nicht mit Blümchen verziert sind oder pinkfarbene Ringel haben. Da ich außerdem schon seit einer halben Ewigkeit den Strumpfhosenschnitt "Jalka"* von Näähglück* ausprobieren wollte, war die Zeit reif für meine erste genähte Strumpfhose, die ja eigentlich nicht anderes als eine Leggings mit Fuß ist.


Vernäht habe ich dafür den Bio Interlock Jersey "Just for Fun" -Dottie, den mir die  Eulenmeisterei* zur Verfügung gestellt hat. Meine Erkenntnis der schnellen Näherei - die nur aus sechs Nähten besteht - war aber, dass das Stöffchen für so schnöde Strumpfhosen zu gut ist, denn die Festigkeit des Interlocks führt dazu, dass mich das Ergebnis doch (zu) sehr an Stützstrümpfe erinnert.


Sollten wir mit den Sohn demnächst eine Flugreise planen, wären wir prima vorbereitet. Sein "blickdichtes" Beinkleid wird aber bis dahin sicherlich auch prima wärmen. Der Mann war übrigens bei den ersten Anproben nicht so richtig überzeugt vom Anblick seines Sohnes - da er ja aber zur Zeit nicht da ist, hat er recht wenig Mitspracherecht beim Kleidungsstil seiner Kinder. Mir gefällt's.


Verlinkt bei my-kid-wearsMade4Boys und Kiddykram.

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DIY Weihnachtsmannsack

Meine Sonntagsfreude ist es, dass ich es kurz vor Heiligabend noch geschafft habe, einen Weihnachtsmannsack unter der Nadel hervorzuziehen. Letztes Jahr konnte das große Tochterkind vor lauter Aufregung ihren Mittagsschlaf doch nicht so lange ausdehnen, wie der Weihnachtsmann zum drapieren der Geschenke unter dem Baum benötigt hätte. Da aber noch eine Weihnachtsgeschichte auf dem Hochbett vorgelesen wurde, hatte der Mann dann doch genug Zeit, um die Geschenke auszubreiten und anschließend zu verkünden, dass er gerade noch den roten Zipfel gesehen hätte. Den Weihnachtsmann in Natura in unserem Wohnzimmer stehend, lehnt er ab und meint, dass die Fantasiefigur doch viel zauberhafter wäre.


Dieses Jahr fehlte nun nicht nur der Weihnachtsmann sondern auch der eigene, um den Geschenkestapel unauffällig zu arrangieren. Dafür war aber die die Familie eingeladen. Als Strohwitwe mit zwei Kindern, wovon das kleinste passenderweise am 24.12. zu fiebern begann, auf die Idee zu kommen, auch noch Gastgeberin mit geputzter Wohnung, Baum und Festmahl zu sein, war zwar etwas gewagt und herausfordernder als gedacht, aber die Aufgabe wurde irgendwie bewältigt.

Der kurz vor Mitternacht spontan aus lauter Resten unbekannter Herkunft (rotes Leinen, Samt und etwas Plüschähnliches) ganz tief aus dem großen Stoffvorrat genähte Geschenkesack hat sich sehr bewährt. Vom Schnitt her ist es wie ein übergroßes Utensilo mit einem Tunnelzug oben, damit er verschlossen werden kann. Eigentlich hätte ich ihn mir deutlich breiter - wie die zu kaufenden Säcke* - gewünscht, aber dafür reichte der Stoff nicht. Selbst der geplante und bereits gestickte Weihnachtsmann-Schlitten-Aufnäher, dessen Stickdatei es hier als Freebie gibt, hat es dann aus Zeitgründen nicht mehr auf den Sack geschafft. Das Tochterkind machte aber immerhin so lange Mittagsschlaf, dass der Baum fertig geschmückt und der Sack vor die Tür gestellt werden konnte.



Dort befüllte ihn die Großeltern und die Uroma dann noch etwas weiter und waren bei ihrer Ankunft natürlich entsprechend erstaunt, was da für ein Sack und vor allem wie viele Geschenke vor unserer Tür stehen würden. Das Tochterkind hatte ordentlich zu tun, alles unter den Baum zu schleppen. Es war ein wunderbarer Abend in Familie, auch wenn der Mann an meiner Seite natürlich gefehlt hat und er sicherlich gerne mit dabei gewesen wäre, wenn der Baum das erste Mal erstrahlt. Theoretisch könnte das nächste Jahr bereits in den eigenen vier Wänden sein. Wenn man sich den Zeitplan realistisch anschaut, halte ich das aber zumindest für die Altbauten für relativ unrealistisch.



Inzwischen gab es übrigens bereits wieder eine vollständige Familienzeit, die nach einer erneuten Unterbrechung in drei Tagen fortgesetzt wird. Bis dahin soll der Sohn wieder gesund sein, hat der Mann mir aufgetragen. Wie immer am Ende des Jahres reihen sich bei uns nicht nur die Festtage hintereinander, sondern auch gleich noch zwei Geburtstage. Zum Älterwerdentag des Mannes düsen wir wieder ins Nachbarbundesland, in dem zumindest bislang noch kein einziges Krümel Schnee liegt.

War denn bei euch der Weihnachtsmann da? Oder das Christkind? Oder auch nur der Weihnachtsmannsack? Das Tochterkind hat sich übrigens tatsächlich Gedanken darüber gemacht, dass der Weihnachtsmann den Sack ja auch wieder abholen muss, um noch andere Kinder beschenken zu können ...
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Gedankenkiste mit Buff #nopegida #nichtinmeinemnamen

Als ich Ende November bei Jademond las, dass 43 Gedankenkisten für ein Kinderheim gesammelt werden, in dem Flüchtlingskinder mit Jugendlichen aus unserem Land zusammenleben, die beide jeweils nicht bei ihren Familien sein können, wusste ich, dass es für mich der perfekte Abschluss für mein diesjährige Blogspendenaktion für Flüchtlingskinder sein würde. Auch wenn der Schneeball am Anfang des Jahres nicht so weit gerollt ist, wie erhofft, bin ich mit dem Ergebnis doch sehr zufrieden. Der gleichaltrige, syrische Junge Geis scheint es übrigens dank einer Knochenmarkspende tatsächlich geschafft zu haben.

Unsere Gedankenkiste ist an einen 17jährigen Jungen aus dem Irak gegangen und gemeinsam mit der Tochter hab wir ihm ein kleines, persönliches Geschenkepäckchen vorbereitet. Neben einem selbstgemalten Bild vom Tochterkind mit den Namen von allen vier Familienmitgliedern, Nüssen, Schokolade, dem (hoffentlich auch für Deutsch-lernende) witzige Teenie-Buch "Warum diese Woche völlig in die Hose ging"*, gab es natürlich auch noch etwas selbst-genähtes.


Nach Brainstorming mit der Nähcommunity, wofür sich so ein 17jähriger begeistern kann, habe ich mich für einen Buff* - also ein Schlauchtuch - entschieden, wie ich es ja schon für die Tochter und mich genäht habe. Der dunkel- und hellblau gestreifte Jersey* in Jungsfarben, den beim letzten Sommerstoffmarkt zu mir gewandert ist, wird dem neuen Träger hoffentlich gefallen. Das Nählabel* könnte ihn ja irgendwann sogar auf diesen blog locken. Genäht habe ich übrigens gleich zwei, denn die Schlauchtücher gefallen mir selbst so gut, dass sie genau das richtige für die Geschenkekiste sind.


Inzwischen gab es sogar schon eine Rückmeldung von den beiden Organisatorinnen MadameDatam und HilliKnixbix, die mich sehr berührt hat, denn bis zu dieser Aktion war es wohl nicht möglich, dass jedes Heimkind wenigstens ein eigenes Geschenk am 24. Dezember öffnen konnte. Wenn ich mir vorstelle, wie viele Geschenke unsere Kinder wieder dieses Jahr auspacken dürfen, obwohl sie selbst schon einschätzen, dass sie "zu viel" im Kinderzimmer haben, wird mir ganz anders.

Bild mit freundlicher Genhmigung vom HilliKnixbix-Blog
Noch viel mehr versinke ich aber im Boden, wenn daran denke, was gerade in meiner eigenen Stadt passiert. Als Dresdnerin kann man die Augen vor Pegida kaum verschließen. Wie man auf die Idee kommt, auf die Straße zu gehen, um ausgerechnet Menschen auf der Flucht vor die Wohlstandstür zu setzen und dabei noch eindeutig dunkelbraunes Gedankengut in der Wortwahl verbreitet, werde ich wohl nie verstehen. Wie kommt man nur darauf, dass man das eigene Luxusleben "verdient" hätte, nur weil man aus purem Zufall nicht in einem Kriegsgebiet oder verarmten Land geboren wurde. Viele Jahre habe ich für das Goethe-Institut gearbeitet und war immer stolz, auf meine weltoffene Stadt - was nun gerade passiert, macht mich fassungslos. Ein kleiner Lichtblick war immerhin, dass kein einziger meiner FB-Freunde Pegidianer ist, was man mit diesem link sehr schnell überprüfen kann. Für mich gilt auf jeden Fall #nichtinmeinemnamen.

Bei der Aufklärung und weltoffenen Erziehung des Tochterkindes, die nun weiß, wo der Irak ist, hat uns die Gedankenkisten-Aktion jedenfalls sehr geholfen. Nächstes Jahr sind wir gerne wieder mit dabei. Eine neue Spendenaktion für 2015 würde ich auch wieder gerne anstoßen. Habt ihr Vorschläge, welchen Bereich man unterstützen könnte?

Nun wünsche ich meinen Bloglesern aber erstmal Frohe Weihnachten und das es mindestens einen Menschen auf der Welt gibt, der für euch eine kleine Geschenkekiste gepackt hat. Auch wir selbst verbringen dieses Jahr Weihnachten als Familie getrennt, da der Mann weiterhin seine Oma pflegt. Bereits morgen gibt es aber ein Wiedersehen - auch mit der Uroma, was mich ganz besonders freut.
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Adventsbasteln im Jägerhof

Mit ihren nun bald fünf Jahren war das Tochterkind dieses Jahr groß genug, um mit ihr im Museum für Sächsische Volkskunst zum traditionellen Weihnachtsbasteln zu gehen. In der Oster- und Weihnachtszeit werden dort nicht nur überall handmade-geschmückte Weihnachtsbäume bzw. Ostersträucher aufgestellt, sondern auch traditionelle Handwerkstechniken vorgeführt. Das sich bei den Ausstellern immer mehr DaWandianer* befinden, habe ich erst dieses Jahr entdeckt.


So gab es eine überraschende Querverbindung zur Designerin Viola Lippmann, die ich auf der Grassimesse kennengelernt hatte und deren ganze Familie als Beiwerk 3* im Kreativbereich tätig ist. Die Gewürz-Dekokugeln sahen nicht nur wunderschön aus, sondern vertrömten dazu noch einen wunderbar weihnachtlichen Duft. Da ich selbst vor Jahren mal diese Kugeln hergestellt habe und mir dabei unzählige Male die Finger an der Heißklebepistole* verbrannt habe, schätze ich diese Kugeln wohl noch etwas mehr.




An den Weihnachtsbäumen gab es diesmal erstaunlich viel genähtes - darunter auch eine ganze Teegesellschaft mit kleinen Stoffdamen. Große Stoffpuppen von Flickenwerk* gab es ebenfalls zu bewundern und wie bei vielen Selbermachern konnte man sie direkt die Herstellung beobachten.




Überhaupt gefällt mir das über-die-Schulter-schauen-dürfen bei den Klöpplerinnen, Spinndamen und Scherenschnittkünstlern, wie Elke Anders, besondern gut.



Dank des Großelterneinsatzes konnte ich am Wochenende nur mit der Tochter zum Adventsbasteln gehen, ohne dabei den kleinen Bruder vom Weihnachtsbaumentschmücken abhalten zu müssen. Es war eine Freude mit anzusehen, mit wie viel Spaß und vor allem auch Ausdauer sie bei der Tannenbaum-Sandbildgestaltung, der Bemalung eines Reifentieres* und dem Sternefädeln dabei war. Mein Kindergartenkind ist ganz schön groß geworden ...





Da die Tochter diesmal besonders kreativ war, schicke ich diesen Beitrag zum Creadienstag und wünsche euch einen nicht zu stressigen Vorheiligabendtag. Bei uns ist der sportliche, junge Nachbar schon informiert, dass er heute den Mann ersetzen muss und den Baum mit mir aufstellen darf.
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Streifenbody, Gr. 80

Als der leicht angeraute Sterntaler Streifenjersey letztes Jahr zu mir wanderte, war ich recht unschlüssig, was ich daraus nähen würde, denn er erinnerte mich so sehr an Unterwäschestoff. :-) Was wäre das passender als ein zweiter Body für den jungen Mann ... Nach dem Overlock-Erstlingswerk, das ich letzte Woche gezeigt habe, lief es diesmal schon deutlich besser.


Die Ärmelbündchen wurden zum Kreis genäht und auch die Lochnaht konnte verhindert werden. Inzwischen hat Sera sogar nochmal gezeigt, dass man Arm und Seitenaht tatsächlich ganz gerade ausrichten muss. Das mache ich dann beim nächsten Modell. Das eigene Label* hab ich als grünen Farbtupfer auch wieder mit eingefasst.


Die Blogbilder sind heute leider besonders verrauscht, was nicht nur am spärlichen Tageslicht lag (ab heute geht es ja zum Glück wieder aufwärts) sondern auch an den Nachbearbeitungsmöglichkeiten, denn der Mann hat seinen Großrechner mitgenommen, auch wenn er wohl kaum Zeit haben wird, davor zu sitzen. Mit so einen Uraltlaptop ist die Bloggerei doch ungeahnt (zeit)aufwendig.


Verlinkt bei my-kid-wearsMade4Boys und Kiddykram.
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12tel Blick Dezember 2014 Vierseithof

Der letzte 12tel Blick des Jahres ist so grau, wie die Stimmung momentan in der Baugemeinschaft, die ja schon einige Stimmungsschwankungen in den letzten zwei Jahren zu bestehen hatte. Die tiefsten Gräben verlaufen dabei zwischen einigen Passivhaus-Neubauparteien und den Altbaufamilien, die jeden Bauschritt nach Einsparpotentialen beurteilen müssen. Wenn ich in die Baufortschrittssglaskugel für 2015 schaue, ahne ich, dass die maroden Fachwerkbauten wohl im kommenden Jahr noch nicht bezugsfertig sein werden. Immerhin zeigt das Dezemberbild den nächsten Meilenstein, denn seit wenigen Tagen steht der ganz große Krahn auf der Baustelle.

Dezember 2014

Dezember 2013
Im neuen Jahr soll die Bodenplatte für den Passivhaus-Neubau gegossen werden und dann geht es hoffentlich auch mit dem Rohbau rasant voran. Höhepunkt in den Altbauten war in den letzten vier Wochen sicherlich der Rückbau der Schornsteine. Nie hätte ich vermutet, dass wir auch diese Aufgabe tatsächlich in Eigenleistung übernehmen können. Unser Klettermeister wagt sich nicht nur in die Tiefe sondern auch hoch hinaus.







Der Jahresrückblick mit allen 12tel Blicken 2014 zeigt, was sich alles getan hat. Nicht nur die Bäume sondern auch zwei Gebäude sind gefallen. Außerdem wurden die Betonflächen im Innenhof abgebrochen und seit diesem Monat stehen dort nun Container für die nächsten Gewerke. Die größten Veränderungen gab es aber im Inneren, denn zumindest das Herrenhaus ist inzwischen fast vollständig entkernt.

2014

Für den SINNblick 2014  von blick7 war ich diesmal auch wieder aufmerksam:

Gesehen:
Schlamm - überall! Der Weg zum Fotostandort war wohl noch nie zu mühsam. Außerdem versperren mir nun die Baucontainer ziemlich den Blick. 

Gehört:
Regentropfen auf dem Wellblech-Notdach.

Gerochen:
Keinen Schnee ...

Gedacht:
Vor einem Jahr haben wir den Vierseithof gekauft und dachten damals, dass wir dieses Jahr die Altbauten vielleicht sogar schon mit einem neuen Dach bewundern können. Meine Sonntagsfreude ist aber, dass wir dieses Abenteuer weiter wagen und das Gemeinschaftsgefühl mit den Nachbarn weiterhin stimmt.

Verlinkt beim 12tel Blick, der Fotoaktion von Tabea Heinicker, beim SINNblick 2014  von blick7 und der Sonntagsfreude von Kreativberg.
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Dresdner Nähblogger Wichteln

Wie im letzten und im vorletzten Jahr gab es bei den Dresdner Nähbloggern auch 2014 einen Nähblogger-Wichteltreff. Die Großeltern ermöglichten es mir als Strohwitwe mit nur einem Kind dabei sein zu können. Da das Weltcafe eine feine Kinderspielecke hat und das Tochterkind zu vorgerückter Stunde noch eine Brio-Holzeisenbahn-Kiste* fand, konnte ich überraschenderweise mit ihr tatsächlich bis zum Ende bleiben.


Gewichtelt haben diesmal KöniginnenreichMalouMit Nadel und FadenHimmelblau und SommerbuntDani ElaMehr SonntagSaxony GirlKääriäinenKAZEFriemeleienFrauenoberbekleidungKleine GriebeKuddelmuddel, Frau Atze und stoff_verzueckt. Hab ich jemand vergessen? Das Tochterkind war sehr beeindruckt, dass auf unserem Wichtelpäckchen der gleiche Tannenbaum, wie vorher von ihr gemalt, zu sehen war.



Meine neuen Stoffkostbarkeiten zeige ich euch, wenn ich sie ins richtige Fotolicht gerückt habe. Die Dresdner Nähblogger kann man übrigens nicht nur via Blog sondern auch über den Instagram-Hashtag #dresdennäht verfolgen.
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Nachthemd & Lebensende

Während der Elternzeit des Mannes verbrachte die Uroma unserer Kinder ein paar Tage bei uns und wir konnten sie mit dem neu genehmigten Rollstuhl endlich mal - ohne, dass es für sie zu anstregend gewesen wäre - durch Dresden fahren. Was für ein Gewinn an Lebensqualität! Bevor sie es sich am Abend auf unserer Couch bequem machte (und damit die Familie überraschte, die vorher verkündet hatte, dass die Oma nur zu Hause übernachten würde), war sie natürlich umringt von unserem Tochterkind, die stolz ihr Nachthemd vorführte. Die Uroma, selbst eine hervorragende Näherin, bewunderte unsere 4-Jährige entsprechend und verkündete, dass für sie noch nie jemand so ein schickes Nachthemd genäht hätte.


Der Plan zum 85. Geburtstag stand also fest - es sollte ein Tochterkind-Nachthemd "in groß" für die Uroma geben. Das Schnittmuster aus "Klein & Oho"* wurde nach Augenmaß und Probemessen im Freundeskreis entsprechend vergrößert und rasant drauf los genäht.Unter die Nadel kam bereits gut gelagerte Webware vom Sterntaler Werksverkauf, denn so ein Nachthemd-in-groß verbraucht schon einiges an Stoff. Bei der Bogennaht habe ich diesmal noch einen Alternativstich ausprobiert, der noch ein bisschen mehr nach Handnaht aussah.


Wie hier gezeigt, bekam die Uroma außerdem einen Krankenhaus-Begleiter aus eben diesem Stoff, den schon beim nähen habe ich befürchtet, dass sie dieses Nachthemd wahrscheinlich niemals tragen können wird. Bei ihrem Besuch im Herbst wird sie den Krebs wohl schon sich getragen haben, ohne dass wir geahnt hätten, dass diese Krankheit, gegen die nun auch die Mediziner machtlos sind, verhindern wird, dass sie uns jemals wieder besuchen kommen wird. Der Chemotheraphie-Versuch musste abgebrochen werden und die Metastasen an verschiedenen Stellen im Körper lassen leider keine Hoffnung, dass ihre Lebensuhr noch lange weiterlaufen darf.


Die Weihnachtszeit ist daher bei uns eine sehr ungewöhnliche und die Themen kreise um Hospiz, palliatives Notfallteam bei der der häuslichen Pflege und Sterbebegleitung. Dennoch freue ich am Freitag, dass die Familie momentan einen Weg gefunden hat, um sie aus dem Krankenhaus herauszuholen. Für H54F und den Friday Fives gibt es fünf Dinge (und eigentlich noch viel mehr), für die ich tiefe Dankbarkeit empfinde:

1.) Ich bin dankbar dafür, dass ich die Uroma bereits zu einem Zeitpunkt kennenlernen durfte, als sie, den geliebten Mann noch an ihrer Seite, ohne Mühe durch das Leben lief

2.) Ich bin dankbar, dass es im vergangenen Sommer ein großartiges Hoffest mit vier Generationen und über zwanzig Familienangehörigen und noch Ende Oktober ein Familiengroßtreffen mit über dreißig Mitgliedern aus drei Bundesländern in Ost und West gab und wir es nicht verschoben haben, bis es ihr besser geht

3.) Ich bin dankbar - und zwar sehr - für den Mann an meiner Seite, der selbstverständlich seine Arbeitstermine umorganisiert und Urlaub genommen hat, um zumindest die nächsten Tage und in der Weihnachtszeit gemeinsam mit der Ärztin die häusliche Pflege zu übernehmen

4.) Ich bin dankbar für die vielen Dinge, die sie mir gelehrt hat, zu dem auch der Umgang mit der Wäschemangel gehört, auf der übrigens auch der Stoff für dieses Nachthemd geglättet wurde

5.) Ich bin dankbar für die Lebenserinnerungen, die sie uns bereits zum sorgsamen Aufbewahren überlassen hat - dazu gehört die Reiseapotheke genauso wie der Hochzeitsschrank

Sie in nächster Zeit gehen zu lassen, wird ein schwerer Weg für die Familie. In diesem Momenten beneide ich alle Menschen, die an ein "danach" und vielleicht sogar das Wiedersehen mit Vorangegangenen - wie im Fall der Uroma mit dem verschollenen Vater oder dem geliebten Mann - glauben können. Ich gehöre leider (noch) nicht dazu ...

Die Alltagsbewältigung mit Beruf und den beiden Kinderlein als Strohwitwe wurde in der letzten Woche bereits einige wenige Tage erfolgreich geprobt. Da uns als Familie hoffentlich noch viele gemeinsame Weihnachtsfeste erwarten, habe ich auch kein Problem damit diese Zeit - zumindest teilweise - getrennt zu verbringen.

Nie hätte ich geahnt, welche Bedeutung mein Jahreswort 2014 alles mit sich bringen könnte ...


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Rezension: Schriftenwerkstatt. Fonts und Schriften von Hand entwerfen

Mein letztes Rezensionsexemplar von den Neuvorstellungen des Bücherherbstes aus dem Haupt-Verlag ist mit der "Schriftenwerkstatt. Fonts und Schriften von Hand entwerfen"* ein richtiges Praxisbuch. Auf 176 Seiten stellt die Autorin Charlotte Rievers in sieben Kapiteln, die in die großen Bereiche "Schriftschöpfung" und "Fonterstellung" aufgeteilt werden, die Genese einer neuen Schriftart dar. Die eigentliche Schriftgestaltung überlässt die Engländerin dabei aber 25 renommierten Designern.

Abbildung vom Haupt-Verlag
Nach der Einleitung folgen im ersten Bereich der Schriftschöpfung die Kapitel "Illustration und Freihandzeichnung", "Papierschnitt, Druck- und Sticktechniken", "Digital gezeichnete Schriften", "3D-Schriften und Schriftinstallationen" sowie "Gefunden oder fotografiert". Der zweite Bereich Fonterstellung unterteilt sich entsprechend der Praxisschritte in "Vorbereitung" und "Durchführung".

Abbildung vom Haupt-Verlag
Nicht nur der zweite Teil sondern auch bereits die ersten fünf Kapitel sind sehr klar in jeweils eine Doppelseite mit dem Profil des jeweiligen Schriftgestalters und einem Tutorial mit Schritt-für-Schritt-Anleitung unterteilt. Nach jedem dieser Kapitel gibt es außerdem eine zusätzlich inspirierende Galerie.

Abbildung vom Haupt-Verlag
Selten habe ich bislang ein Praxisbuch dieser Art in den Händen gehalten, das - neben den vielen Kreativtechniken vom Schriftsticken bis Scherenschnittverianten - sogar bei den Software-Programmen, wie Photoshop* oder Illustrator* in Schritt-für-Schritt oder eher Klick-für-Klick-Anleitungen zeigt, wie man tatsächlich zu einem professionellen Ergebnis kommt. Am Ende des Buches hat man tatsächlich das Gefühl, dass man seine eigene Schrift entwerfen könnte, die mit FontLab und Fontographer* in eine richtige, digitale Schriftartendatei umgesetzt werden kann. Die Schritte in der Software dazu kommen mir zwar teilweise fast zu einfach vor, aber vielleicht sollte man es einfach mal ausprobieren. Die knapp 30 € für dieses Buch* sind dabei gut investiert, wobei man das Gefühl hat, dass auch ein Grafiktablet* eine feine Sache wäre. Eine eigene Schrift - das wär es doch ... warum muss unser Alphabet eigentlich gleich so viele Zeichen haben?

Abbildung vom Haupt-Verlag
Von schöner Schrift lasse ich mich übrigens immer mal wieder bei KAZE und Jademond inspirieren. So schön würde ich auch gerne schreiben können .... und ihr? Schreibt ihr eure Weihnachtsgrüße noch mit der Hand oder nur digital?

Vom Haupt-Verlag wurde bereits vorgestellt:
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